Zunft zur Letzi


Wurzeln 1934 
Am 1. Januar 1934 erfolgte die Eingemeindung in die Stadt Zürich von Albisrieden, Altstetten (Kreis 9), Höngg (Kreis 10), Affoltern, Oerlikon, Schwamendingen und Seebach (Kreise 11 und 12). Um die Erinnerung an die alten Dörfer wach zu halten, gründeten Einwohner der neuen Stadtkreise Zünfte. Am 7. Februar 1934 berieten je sieben Albisrieder und Altstetter unter Führung von Gustav Adolf Maag-Ryser im «Schwarzen Bären», in Altstetten über eine Zunftgründung für den Kreis 9. Am 2. Juni 1934 kamen 120 Albisrieder und Altstetter in den «Löwen» in Altstetten zu der vom nachmaligen Zunftmeister Gustav Adolf Maag-Ryser präsidierten Gründerversammlung, die vom Musikverein Harmonie Altstetten würdig umrahmt wurde. Aus der Fülle der vorgeschlagenen Namen wurde mit überwältigendem Mehr der Name «Zunft zur Letzi» gewählt. Der Name erinnert an den Letzigraben, welcher Dorfteile von Albisrieden und Altstetten verband und die äusserste Verteidigungslinie (Letzi) der Stadt bildete. Unter den Klängen des Sechseläutenmarsches wurden die ersten der 116 Unterschriften auf die Gründungsurkunde geleistet. Unter gebührender Beachtung der gerechten Beteiligung der beiden Gemeinden wurden die erste Vorsteherschaft und die Revisoren gewählt. Als Startkapital erhielt die Zunft CHF 3’000 vom Handwerkermeister-Verein Altstetten und CHF 709 aus einem in den frühen Zwanzigerjahren in Albisrieden gegründet Zunftfond. CHF 30 war der erste Jahresbeitrag und CHF 50 das Eintrittsgeld, das für einen Kinderkostümfond bestimmt war. Am 29. November 1934 nahm die Delegiertenversammlung die Zunft zur Letzi einstimmig in das Zentralkomitee der Zürcher Zünfte auf. Am 9. Februar 1935 erfolgte die Bannerweihe im «Löwen» Altstetten. Den 148 Gästen und Zünftern wurde eine reichhaltige Bernerplatte (CHF 1.00 pro Teilnehmer) und roter Schiller vom Fahr (CHF 2.30 je Liter) serviert! Für die Harmonie Altstetten spendeten die Metzger der Zunft 50 Paar Schüblinge, andere das Brot und ein Fass Bier. Die Vereinigten Zünfte zur Gerwe und zur Schuhmachern brachten als Göttizunft den Göttibecher. Die Zunftfrauen sowie zwei Zünfter schenkten je eine Zinnkanne. 

Entwicklung 1937 – 1985
Walter Römer komponierte eigens den «Letzi-Zunft-Marsch», der erstmals zum Hauptbott 1937 vorgetragen wurde. Vom Zunftlokal Hotel «Sankt Peter» aus nahm die Zunft zur Letzi 1935 erstmals als «Auszug der Albisrieder und Altstetter zur Verteidigung der Letzi im Alten Zürichkrieg anno 1441» am Sechseläuten teil. Die Kostümierung für das 15. Jahrhundert gilt bis heute als Hauptthema. Schon für das Sechseläuten 1939 konnte das Zunftspiel in zunfteigenen Kostümen mitmarschieren.  Die Kriegsjahre brachten auch für die Zunft schmerzliche Einschränkungen. Die Jahresbeiträge mussten von CHF 30 auf 25 und 20 reduziert werden. 1951 fand, ausnahmsweise als Anlass der 600-jährigen Zugehörigkeit Zürichs zur Eidgenossenschaft, am Sonntag an Stelle des Kinderumzuges ein historischer Umzug statt, der von den Letzireitern angeführt wurde. Der allgemeine Aufschwung der Wirtschaft in den Fünfziger- und Sechzigerjahren ermöglicht es, die Letzikinder, das Fussvolk, die Vorsteherschaft und die Reiterei neu zu kostümieren. In dieser Zeit fällt auch die Gründung der Gesellschaft Zunfthaus Letzi, aber auch der Verkauf des Zunftloklals «Sankt Peter», so dass die Zunft zur Letzi in die Kaufleuten umziehen musste. Der Aufschwung hält auch in den Siebziger- und Achtzigerjahre an. Die Gesellschaft Zunfthaus Letzi kann das Haus «Zum blauen Himmel» erwerben und umbauen. Im Jahr 1985 feiert die Zunft dort erstmals das Sechseläuten. Seit 1971 wird jeden September die «Zehntenabgabe» im Pflegheim Bachwiesen in Albisrieden durchgeführt, zu der nebst den Bewohnern des Krankenheims die Zünfte und die Bevölkerung eingeladen sind.

Weitere Aktivitäten
Nebst den langjährigen Beziehungen zu den Zünften von Bern, Luzern, Zug, Basel und St. Gallen hat die Zunft zur Letzi in den Neunzigerjahren auch ausländische Gäste zu ihren Festen eingeladen und Zunftausflüge nach Paris, Prag und Wien, auf den amerikanischen Flugzeugträger «Eisenhower» im Golf von Triest, der deutschen Marinebasis in Eckernförde und der Erdölverarbeitungsanlage der Esso in Deutschland gemacht. 1993 haben die Zünfter der Zunft zur Letzi tatkräftig am Napfplatzfest zu Gunsten des Zinnfigurenmuseums mitgeholfen. Das Museum befand sich bis im Jahr 2008 im Haus «Zum blauen Himmel», wo sich heute die interaktive Ausstellung Zunftstadt Zürich befindet. Weiter sind regelmässig Vertreter der in London ansässigen Gilde The Worshipful Company of Basketmakers Gäste am Sechseläuten, die umgekehrt von Mitgliedern der Zunft zur Letzi an der in London stattfindenden Lord Mayor’s Show besucht werden.   

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